Lösung im Fokus

Blog über Mediation und konstruktive Konfliktlösung

Mediation im Alltag –  Erfolgsfaktoren für gute Gespräche

Was braucht es eigentlich, damit Menschen ein Gespräch suchen – auch wenn es schwerfällt?

In meiner Umfrage zum Tag der Mediation 2025 habe ich genau das gefragt: Was hilft dir, einen Konflikt gut zu klären? Nicht allein die Methode ist entscheidend, sondern die Haltung, mit der wir ein Gespräch führen.

Es ging nicht um schnelle Lösungen. Sondern um etwas anderes: Das Gefühl, verstanden zu werden. Raum zu haben. Klarheit zu gewinnen. Und manchmal auch: Begleitung auf dem Weg.

1. Fünf Dinge, die Menschen sich im Konflikt wünschen

Aus den Antworten haben sich fünf Faktoren herauskristallisiert, die Menschen als besonders hilfreich erleben.

  • Empathie und ehrliches Zuhören
    Das am häufigsten genannte Bedürfnis: Gehört werden, ohne unterbrochen oder bewertet zu werden. Zuhören, um zu verstehen – nicht um zu erwidern.
    ➥ „Ich höre dir zu, nicht um zu antworten – sondern um dich zu verstehen.“
  • Klarheit über eigene Bedürfnisse
    Konfliktklärung beginnt mit Selbstklärung: Was stört mich? Was brauche ich? Mehr als 60 % der Befragten haben das betont.
  • Ein geschützter Raum für das Gespräch
    Ein Begriff, der viel bedeuten kann: Ein Ort ohne Ablenkung. Ein Zeitfenster, in dem man nicht gestört wird. Oder ein neutraler Rahmen, z. B. in einer Mediation oder Moderation. Geschützt bedeutet: Sicherheit im Austausch, eine gemeinsame Vereinbarung, dass es ums Verstehen geht – nicht ums Gewinnen.
    ➥ „Wir reden nach dem Essen zu zweit – ohne Handy, ohne Ablenkung.“
  • Zeit und Abstand
    Nicht sofort reagieren müssen. Erst einmal durchatmen. Vielleicht eine Nacht darüber schlafen, bevor man ein Gespräch sucht. Oder bewusst Abstand nehmen, um neue Perspektiven zu gewinnen.
    ➥ „Ich schreibe mir meine Gedanken auf und warte, bis ich ruhiger bin.“
  • Struktur oder Moderation von außen
    Viele Menschen erleben: Allein kommt man manchmal nicht weiter. Eine Mediation kann Gespräche ordnen, Raum geben, Klärung ermöglichen.

Unabhängig von den äußeren Rahmenbedingungen geht es auch um die innere Bereitschaft, einen Schritt aufeinander zuzugehen.

2. Mediative Haltung: Wenn Klärung mehr ist als Methode

Wenn wir betrachten, was Menschen brauchen, um Konflikte zu klären, dann zeigt sich: Vieles davon hat mit der inneren Haltung zu tun.

Eine mediative Haltung ist mehr als ein Werkzeug. Sie zeigt sich in kleinen, oft unscheinbaren Momenten: Wenn wir im Gespräch innehalten, statt zu kontern. Oder wenn wir nachfragen, bevor wir urteilen.
Es ist die Haltung, mit der wir unserem Gegenüber in Konflikten begegnen:
mit Respekt, mit echtem Interesse, mit Bereitschaft zur Selbstreflexion – und mit dem Wunsch, zu verstehen, nicht zu bewerten.

Wer mediativ denkt und handelt, glaubt nicht: „Ich habe recht.“ Sondern fragt: „Was bewegt dich? Was ist dir wichtig?“

Kleine Schritte mit großer Wirkung:

  • zuhören, statt vorschnell zu reagieren
  • Interesse zeigen an dem, was hinter der Haltung des anderen steckt
  • erkennen, was mich triggert – und was dahintersteht
  • ein schwieriges Thema in Ruhe anzusprechen, statt es zu vermeiden

Diese Haltung wirkt – auch ohne formelles Mediationsverfahren. Sie kann Gespräche verändern, bevor sie eskalieren.

2.1 Ein menschenfreundlicher Blick

Eine mediative Haltung steht in enger Verbindung zu unserem Menschenbild – also dazu, wie wir grundsätzlich über Menschen und ihre Fähigkeiten, Bedürfnisse und Potenziale denken.

Sie geht davon aus:

  • Menschen sind zur Verständigung fähig: Auch bei Unterschiedlichkeit können sie einander zuhören und Lösungen finden.
  • Hinter jedem Verhalten steht ein Bedürfnis. – auch wenn es uns fremd erscheint. Wer mediativ denkt, fragt nicht: „Wer hat recht?“, sondern: „Was braucht es, um einander wieder näher zu kommen?“
  • Verantwortung beginnt bei mir selbst. Es geht nicht um Schuld, sondern um die Bereitschaft, das eigene Verhalten zu reflektieren.
  • Verständigung braucht Vertrauen. Und dieses Vertrauen entsteht nicht durch Druck, sondern durch echte Begegnung auf Augenhöhe.

Eine mediative Haltung spiegelt ein Menschenbild wider, das auf Vertrauen, Respekt und der Überzeugung basiert: Verständigung ist möglich – wenn wir sie wollen.

3. Was diese Haltung im Alltag verändern kann

Eine mediative Haltung zeigt ihre Wirkung nicht nur im Mediationsraum – sondern mitten im Alltag. In Momenten, in denen sich entscheidet, ob ein Gespräch festfährt oder sich neue Verständigung öffnet.

  • Wenn jemand sich selbst fragt: Was ist mein Anteil?
    Beispiel: Eine Mitarbeiterin spürt zunehmenden Frust im Team. Statt die Schuld bei anderen zu suchen, reflektiert sie: Was belastet mich konkret? Was will ich ändern? Wie kann ich es in Ruhe ansprechen?
  • Wenn Kolleg:innen offen, aber klar sprechen.
    Beispiel: Zwei Kolleginnen sind sich uneinig. Eine sagt: „Ich sehe das anders – darf ich dir erklären, warum?“ Statt Fronten zu bilden, entsteht ein Dialog.

Infobox: So gelingt der Einstieg in eine meditative Haltung

🟢 Kurz innehalten, bevor du reagierst
Atme einmal tief ein und frage dich: Reagiere ich gerade – oder antworte ich bewusst?

🟢 Klärende Fragen stellen: Was brauche ich – und was braucht mein Gegenüber?
Was hat mich gerade getroffen? Was möchte ich sagen – und wie möchte ich gehört werden?

🟢 Zuhören statt bewerten
Notiere dir: In welchem Moment habe ich heute versucht, zuzuhören statt zu urteilen? Wie hat sich das angefühlt?

Wenn du dich dem Thema annähern willst

  • Lies deinen nächsten Konflikt wie einen Text: Was steht da – und was steht zwischen den Zeilen?
  • Frag dich: Was brauche ich – und was braucht die andere Person?
  • Probier aus: Weniger „Warum?“ – mehr „Was ist dir wichtig?“

Wenn du deine Gespräche bewusst gestalten willst, findest du hier zwei praxistaugliche Reflexionshilfen:

  • Mini-Übung: Mediative Haltung im Alltag: Eine einfache Reflexionshilfe – mit kurzen Fragen zum Nachdenken
  • Checkliste: Bin ich bereit für ein Klärungsgespräch?: Fragen, die helfen, sich innerlich gut vorzubereiten

Eine mediative Haltung bedeutet nicht, Konflikte zu vermeiden. Sondern sie in einer Haltung anzugehen, die Respekt, Neugier und Dialogbereitschaft in den Mittelpunkt stellt.

4. Ein Fazit aus der Umfrage

Menschen brauchen keine perfekten Methoden. Aber sie brauchen: Gehört-werden, Klarheit, Struktur und einen sicheren Rahmen.
Mediation kann all das unterstützen – vor allem dann, wenn es gelingt, auch die innere Haltung mitzunehmen: Respekt, Offenheit, der Wunsch, zu verstehen.
Es braucht etwas Echtes.
Einen Moment, in dem man wirklich zuhört.
Eine Frage, die aufrichtig gestellt ist.
Ein Gespräch, das stattfindet, obwohl es nicht leicht ist.

Worte können Fenster sein – oder Mauern.
Marshall Rosenberg

📬 Fragen oder Gedanken dazu? Einfach schreiben: geppertdagmar@outlook.com
🌐 Mehr Informationen: www.mediationgeppert.at

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